Bürger machen Vorschläge zur Gesundheitsversorgung in Bocholt

Von kostenfreiem Wohnraum, über Kooperationen mit Schulen bis zur Einrichtung einer zusätzlichen Schnittstelle: In insgesamt fünf Sitzungen erarbeiteten Bocholter Bürgerinnen und Bürger konkrete Vorschläge für die Politik, um die hausärztliche und fachärztliche Versorgung sicherzustellen und die stationäre und ambulante Pflege zu bewahren.

Nach der großen Auftaktveranstaltung zur „Trend-WerkStadt #fürbocholt“ im April 2018 interessierten sich 22 Bürgerinnen und Bürger für den Trendshop „Gesundheit und Demografischer Wandel“ – eines der fünf Sachthemen. Unter der Leitung des Experten Herbert Mäteling, Geschäftsführer des St. Agnes Hospitals, und des Moderators Adi Lang beschäftigten sich die Teilnehmer mit zwei großen Themenkreisen. „Zum einen haben wir die Frage beleuchtet, welche Maßnahmen auf kommunaler Ebene zur Herstellung, Sicherung und Weiterentwicklung von Pflege- und Betreuungsangeboten in Bocholt möglich und erforderlich sind. Des Weiteren hat die Teilnehmer die Frage beschäftigt, wie die Pflegeinfrastruktur an die Herausforderungen des demografischen Wandels angepasst werden kann“, erklärt Mäteling.

„Als Erstes wollten wir uns ein Bild von der Ärzteversorgung vor Ort machen“, so Moderator Lang. „Daher haben sich die Teilnehmer mit dem Vorstand des Ärztenetzwerkes ‚BOHRIS‘ zusammengesetzt. Schnell wurde den Teilnehmern klar, dass BOHRIS eine hervorragende Arbeit leistet, um die ambulante Versorgung zu sichern, ärztlichen Nachwuchs zu gewinnen und neue Versorgungslösungen zu schaffen“, stellt Lang fest. Nach der Meinung des Trendshops sollte diese Arbeit von BOHRIS durch die Politik weiterhin voll und ganz unterstützt werden.

Handlungsbedarf besteht jedoch im Pflegebereich, wie die Bürgerinnen und Bürger feststellten. „Bis 2020 sind laut einem Bedarfsplan circa 2.360 Pflegefachkräfte erforderlich. Das entspricht einem Anstieg von 183 Köpfen, 109 im stationären und 74 im ambulanten Bereich“, erklärt Mäteling.

Die Bürgerinnen und Bürger entwickelten daher konstruktive Vorschläge für die Politik in Bocholt. Die Trendshop-Teilnehmer schlagen zum einen vor, Pflegekräfte in der Zeit ihrer Ausbildung kostengünstigen oder kostenfreien Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Hierfür sollte die Stadt Bocholt ermitteln, welche Zuschüsse für Wohnung und Ausbildung gewährt werden können. Außerdem sollte für die Anerkennung des Pflegeberufes an den Bocholter Schulen geworben und Partnerschaften eingegangen werden. Exemplarisch verwiesen die Teilnehmer auf das Mariengymnasium, das eine Partnerschaft mit der Senioren Residenz Schanze pflegt. In Teilen forderten die Mitglieder des Trendshops, das Schulfach „Pflege“ einzuführen, um den Bedarf an Pflegekräften zu decken.

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Menge der Vorschläge und die damit verbundenen Schnittstellen von einer neutralen Stelle in Bocholt gebündelt und gemanagt werden müssen. „Daher fordert unser Trendshop, eine entsprechende Stellenausschreibung zu BOHRIS zu formulieren und diese bei den Gesundheitsministerien in NRW und im Bund zu beantragen“, so Lang. Auch der Stadt Bocholt stellten die Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen vor. „Wir haben dem Fachbereich Soziales, in dessen Verantwortungsbereich die Pflege liegt, unsere Vorschläge vorgetragen und ausgehändigt. Wir hoffen, dass schnellstmöglich einige von ihnen umgesetzt werden können“, erklärt Herbert Mäteling abschließend.

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